Fittkau Metallgestaltung (Eigenschreibweise fittkau metallgestaltung) ist eine Kunsthandwerkerfirma mit Sitz im Berliner Bezirk Pankow, Ortsteil Stadtrandsiedlung Malchow. Sie agiert mittlerweile weltweit. Die Anfänge gehen auf eine 1925 gegründete Schlosserei zurück.

Firmengeschichte

1925–2001

Im Jahr 1925 gründete ein Schlosser zusammen mit Familienangehörigen einen Handwerksbetrieb auf dem Gelände der Heinersdorfer Straße 9 im damaligen Stadtbezirk Berlin-Weißensee. Schnell wuchsen die Aufträge für Berlin im Zusammenhang mit der entstandenen Großgemeinde und damit auch die Zahl der Mitarbeiter. Nach einem Umzug zu frei gewordenen Räumlichkeiten der Ruthenbergschen Gewerbehöfe, ebenfalls in Weißensee (seit 2001 Ortsteil Berlin-Weißensee) mit Erweiterung des Werkstattbereichs blieb die Firma bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs dort tätig. Nach kurzer Zwischennutzung der Werkstätten durch die sowjetische Besatzungsmacht gab es neue Aufträge für die Schmiede, vor allem beim Wiederaufbau der stark zerstörten deutschen Hauptstadt. Der kleine Handwerksbetrieb konnte einen Neuanfang starten und blieb bis 1957 im Privatbesitz. 1972 wurde er verstaatlicht und in VEB Kunstschmiede Berlin (gelegentlich auch VEB Kunstschmiede Weißensee) umbenannt. Seine Arbeiten fanden Eingang in das wiederaufgebaute Nikolaiviertel ebenso wie für die Restaurierung von Gründerzeithäusern im Stadtbezirk Berlin-Prenzlauer Berg um den Kollwitzplatz. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde der Betrieb reprivatisiert.

In dieser Gesellschaft wurde Stefan Fittkau, der in den 1980er Jahren hier ausgebildet worden war, 1997 Geschäftsführer und kümmerte sich vor allem um stetige Aufträge. Die daraus resultierende Notwendigkeit einer Erweiterung der Werkstätten war auf den angestammten Gewerbehöfen in Weißensee nicht möglich. So fanden sich gleichgesinnte Mittelständler zusammen, die gemeinsam und mit Fördermitteln eine Industriebrache von fast 50.000 Quadratmeter Nutzfläche entwickelten. Das neue Gewerbegebiet Darßer Bogen liegt zwischen Bitburger Straße, Piesporter Straße und Darßer Straße und grenzt unmittelbar an den Ortsteil Berlin-Weißensee. In Anerkennung der Initiative hat die Bezirksverwaltung im Jahr 2000 eine Gedenktafel anbringen lassen (siehe Bild).

Gleichzeitig bemühte sich Fittkau um die Übernahme der Firma, was ihm nach längeren Verhandlungen mit Nachkommen des Firmengründers schließlich gelang.

Umfirmierungen

Zum 1. Januar 2002 wurde Stefan Fittkau alleiniger Geschäftsinhaber und benannte das Unternehmen in fittkau metallbau kunstschmiede GmbH um.

Per Januar 2020 erfolgte eine nochmalige Umbenennung in fittkau metallgestaltung gmbh.

Lage und Geschäftsbereiche

Auf dem rund 2500 Quadratmeter großen Betriebsgelände entstand eine moderne zweigeschossige Produktionshalle, die im Jahr 1998 offiziell eingeweiht wurde. Der Haupteingang und das Büro befinden sich im Darßer Bogen 1.

Das Unternehmen ist in die Bereiche Bronzebau und Sonderkonstruktionen aufgeteilt. Im ersteren wurden und werden mit Künstlern gemeinsam Projekte verwirklicht. Als Sonderkonstruktionen entwirft die Firma an jeweils konkrete Objekte angepasste Geländer, Treppenanlagen, Türen, Fenster, Leuchten oder Fassadenschmuck. Außerdem werden historische Objekte restauriert. Die Auftragsaufteilung wird wie folgt angegeben: etwa 10 Prozent Restaurierung, 10 Prozent Neuanfertigungen und rund 80 Prozent Metallarbeiten im dekorativen Bereich (Stand Herbst 2021).

Besondere Projekte

Die Geschäftstätigkeit erfolgt weltweit mit den Schwerpunkten Westeuropa, Nordamerika sowie Russland und Asien. Ende 2012 war das Unternehmen in den Neubau eines Flughafens in Doha, der Hauptstadt Qatars, einbezogen (New Doha International Airport). Die Firma fertigte dafür unter anderem eine große Edelstahl-Glas-Wendeltreppenanlage sowie einige hundert Quadratmeter Wandverkleidungen, gemeinsam mit dem Unternehmen Lindner aus Arnstorf in Bayern.

Des Weiteren werden Aluminium-Gestelle für Solarkioske hergestellt. Sie entstehen in Zusammenarbeit mit der Solarkiosk GmbH, dem Berliner Architektenbüro Graft, mit dem Institut RLI, gegründet und benannt nach Reiner Lemoine, sowie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW). Mit dem verschließbaren und fahrbaren Metallcontainer und den Sonnenkollektoren auf dem Dach ist in sonnenscheinreichen Gegenden ohne eigene Energiequellen eine ortsnahe Stromversorgung für Beleuchtung, Mobiltelefone oder Lebensmittelfrischhaltung möglich. Der Prototyp wurde im September 2012 in Äthiopien am Lake Langano aufgestellt. Im Frühjahr 2013 folgte ein zweiter Container in Kenia.

Die Metallgestalter beteiligen sich seit 2016 an dem Solidaritätsprojekt Schmieden für den Frieden. Dieses internationale Event wurde im Sommer 2015 von den deutschen Kunstschmieden Alfred Bullermann, Heinz Hoenig und Tom Carstens aus Köln begründet. Es fordert die Metallhandwerker aus aller Welt auf, gemeinsam mit Hilfe von Schmiedefeuer Kunstnägel zu schaffen, die Symbol des Weltfriedens darstellen. Die Nägel werden zertifiziert und nummeriert und an Menschen aus aller Welt als Zeichen für Frieden und ein menschenwürdiges Dasein verkauft. Die Erlöse werden für Hilfsprojekte in der Umgebung der Werkstatt eingesetzt. Die Hoheit liegt beim Internationalen Fachverband Gestaltender Schmiede (IFGS), der seinen Sitz in Höheischweiler hat.

Auszeichnungen

Fittkau Metallbau erhielt 2006 den Großen Mittelstands-Preis der Oskar-Patzelt-Stiftung. Die Zeitschrift M&T-Metallhandwerk/Metallbaupraxis lobt seit 2011 den M&T Metallbaupreis aus. Dieser ging im Jahr 2012 in der Kategorie Metallgestaltung an die Firma Fittkau. Der Jury gefiel das Kolumbarium in einer ehemaligen katholischen Kirche, nun Grabeskirche Liebfrauen in Dortmund.

Im Jahr 2020 konnte die Firma mit ihrer Realisierung des Projekts Toranlage zum Raum der Information am Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin die Jury der ZS M&T-Metallhandwerk/Metallbaupraxis wiederum überzeugen. Der Firmenchef nahm den Preis für den ersten Platz in der Kategorie Türen, Tore, Zäune entgegen.

Werksübersicht ab 2002 (Auswahl)

– chronologisch –

Für die Kunstwerke kommen hauptsächlich die Werkstoffe Eisen, Stahl, Bronze und Aluminium, hin und wieder noch ergänzt durch Silber und Gold zur Anwendung. Sie werden auch mit Glas und Emaille kombiniert. Ausgeführt wurden und werden unter anderem Fassadenelemente, Einzäunungen, Geländer, Treppenanlagen, Sonderleuchten, Denkmale, Skulpturen bis hin zu kleinen Einzelstücken für Privatpersonen. Arbeiten für Privatpersonen sind im Verzeichnis nicht aufgenommen worden.

Weblinks und Literatur

  • Wo am Amboß Hämmer dröhnen, Neue Zeit, 2. Dezember 1978.
  • Wolfgang Schmelzer: Kunsthandwerkern auf die Finger geschaut, BZ am Abend, 4. Februar 1985
  • M. Wiesner: Eine alte Grufttür steht auch auf dem Jubiläumsprogaramm, Tribüne, 23. Januar 1987.
  • Schön und eisern: Weißenseer Kunstguß. Neues Deutschland, 28. Dezember 1989.
  • Wega Reckzier: Funknen sprühen für die Marktwirtschaft. Berliner Morgenpost, 4. August 1991.
  • Unternehmen im Kiez: Fittkau Metallgestaltung Interview mit dem Geschäftsführer Stefan Fittkau; auf www.youtube.com 5:59 Minuten.

Fußnoten und Einzelnachweise


Projekte 2013

Projekte 2018

Projekte 2013

Stefan Fittkau peoplecheck.de

Projekte 2021